Krims, Kram und Krempel

22. August 2008 von Claudia


Sich erleichtern und entrümpeln

Ob Wohnung oder Haus, auf fast magische Weise sammeln sich im Laufe der Zeit Dinge an, vermehren unseren Besitz und haben nicht selten die Eigenschaft, sich in Ballast zu verwandeln. Alles will versorgt sein, gehegt, gepflegt, geordnet und untergebracht für den Fall der Fälle, dass man es noch einmal braucht, sich dessen überhaupt noch erinnert und es zuguterletzt findet. Wenn das kleine Chaos droht sich auszuwachsen und zur Belastung wird, ist es Zeit für den «Befreiungsschlag».

In der Regel haben wir alles, was wir brauchen, doch brauchen wir auch alles, was wir haben? Ganz sicher nicht! Selbst wenn gedanklich schon getrennt werden kann in Liebgewonnenes, Überflüssiges und Unentbehrliches, scheuen die meisten Menschen ihren persönlichen Entrümpelungsstart. Pläne von derartigen Aktionen werden gerne hintenangestellt und neigen dort weiter zu schwelen. Verständlich, ist doch damit ein mehr oder weniger grosser Aufwand verbunden und stehen unzählige Trennungsentscheidungen an.

Besitz kühlt ab; doch droht Verlust,
sprühn aus der Asche neue Flammen.

Buch des Kabus-Nameh, persische Weisheitsliteratur des 11. Jahrhunderts

Selbst an alten, abgegriffenen, gehäkelten Topflappen (drei Paar neue warten derzeit noch hinten in irgendeiner Schublade) hängt plötzlich das Herz voller Erinnerungen. So gesehen mag mit jeder Durchforstungsaktion auch ein wenig unser Innerstes zu Tage treten, und gedankliche Erinnerungsreisen in die Vergangenheit blockieren unseren Aufräumenthusiasmus. Möchte man tatsächlich sein Ziel erreichen und sich von vielem Überflüssigen befreien, eine neue Ordnung und Platz entstehen lassen, ist es von Vorteil, sich zu Beginn mental darauf einzustimmen. Bedarf es tatsächlich vieler Gegenstände, um Erinnerungen zu wahren und warum? Ist es sinnvoll oder unnütz, doppelte Gebrauchsgegenstände zu haben?

In der Tat ist es so, dass der Besitz allzu vieler Gegenstände die Gefahr birgt, davon in Besitz genommen zu werden. Raumverhältnisse und Platzbedürfnisse werden grösstenteils von all den vielen Gegenständen bestimmt, mit denen wir uns umgeben, die wir sammeln und horten.

Auf diese Weise betrachtet, gewinnt man mit jeder Entrümpelungsaktion die eigene Vorherrschaft zurück, bestimmt über Materielles statt davon eingenommen zu sein. Als kleines Beispiel, wie Angesammeltes auch Energien binden kann, sei die Schublade genannt, in der alles verschwindet, für das man «auf die Schnelle» keinen Platz fand. Zieht man sie auf, überkommt einen schnell eine Lähmung, die auch beim schnellen Schliessen derselben noch anhalten mag. Scheuen Sie sich nicht, vieles als das zu akzeptieren, was es in Wirklichkeit ist: Ballast. Schubladen, Schränke, Regale, Kisten, Keller und Speicher zu entrümpeln heisst auch sich selbst erleichtern. Gewichtsprobleme, für viele Menschen ein Thema, lassen sich leicht in Kilogramm benennen. Der materielle Ballast unseres in diesem Zusammenhang vermeintlichen Wohlstandes, der eher dazu neigt auf dem Gemüt zu lasten, liesse sich hingegen in Kubikmetern messen. Wenn auch Sie zu den Menschen gehören, auf welche die Aussage zutrifft «wie innen, so aussen, wie aussen so innen» und die an materiellem Übergewicht leiden, dann ist eine Entrümpelungsaktion die beste Diät für eine neue Form der Leichtigkeit.

Heute ist es vielfach so, dass nicht der Mensch den Besitz besitzt,
sondern der Besitz besitzt den Menschen.

Gerald Dunkl (*1959), österreichischer Psychologe und Aphoristiker

Ein altes Sprichwort besagt: «Nur das ist wirklich dein Besitz, was du bei einem Schiffbruch nicht verlieren kannst». Ihnen wünsche ich natürlich keinen entscheidungsunterstützenden Schiffbruch, sondern eine gut gelingende Aktion und Wohlbefinden, aussen wie innen.

Entrümpeln
Es ist zwar nicht Frühlingsputzete und auch noch nicht die Zeit die Sommerkleider einzumotten, aber trotzdem eine gute Gelegenheit, sich vom angesammelten Ballast zu befreien.

Eine Entrümpelungsaktion kann man entweder als Grossaktion durchführen oder sich immer wieder und regelmässig die Zeit nehmen auszumisten. Wer einmal im Monat entrümpelt, wird dieses befreiende Glücksgefühl der Erleichterung zu schätzen wissen. Hier ein paar einfache und bewährte Tipps:

  • Zeitungen und Zeitschriften sammelt man am besten in einem Zeitungskorb. Interessantes, das man aufbewahren möchte ausschneiden und einordnen oder einscannen und ablegen. Bei jeder Papierabfuhr den ganzen Stapel, auch das Ungelesene, entsorgen. Denn was einen Monat lang nicht gelesen wurde, wird man auch nie mehr lesen.
  • Kleider, Schuhe und Taschen, die zu klein, zu gross, nicht mehr in Mode oder sonst nicht passend sind, vor jedem Kleiderkauf aussortieren. Was kaputt ist gehört zu den Lumpen und das Brauchbare ins Brockenhaus oder in den Secondhand-Shop. So schafft man Platz und verbessert seinen Stil.
  • Haushalts- und Unterhaltungsgeräte sammeln sich mit all den anderen praktischen Helferlein in den Schränken an. Was seit zwei Jahren nicht eingesetzt wurde und noch funktioniert, nimmt nur Platz weg und gehört ins Brockenhaus. Kaputte Elektrogeräte können übrigens in jedem Elektrowarengeschäft gratis abgegeben werden.
  • Geschirr und Besteck: Stellen Sie passendes und komplettes Geschirr zusammen. Wenn Einzelteile fehlen, gehen Sie auf die Suche in Geschirrmärkten und Brockenhäusern, dabei können Sie alles Überzählige gleich mitnehmen. Praktisch ist auch ein kleiner Reservestock für Gäste im Keller.
  • «Gingernillis» und weitere Staubfänger sind schön, wenn sie zur Jahreszeit passen. Das Dekorationsmaterial für Sommer, Party, Weihnacht, Ostern usw. nach dem Einsatz aussortieren. Dabei Altes und seit längerem Ungebrauchtes ausmisten und den Rest in beschrifteten Schachteln im Estrich verstauen.

Wenn Sie nach einer Entrümpelung nur wenig zu entsorgen haben, organisieren Sie sich entweder ohnehin schon gut oder Sie können schlecht loslassen. Macht Ihnen die Entrümpelung Angst, nehmen Sie eine Freundin zu Hilfe. Denn eine Entrümpelung gibt ein befreiendes Gefühl; da weiss man wieder, was man hat!

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