Kleinblütige Schaupflanze

24. September 2008 von Samuel Sprunger


Im Botanischen Garten blüht eine seltsame Pflanze

In der Orchideen-Schutzsammlung im Botanischen Garten der Universität beim Spalentor blüht im September eine seltsame Pflanze aus der Gattung Dendrochilum. Wie alle 120 Arten dieser Gattung blüht Dendrochilum lancifolium mit hunderten kleinen Blüten an hängenden Blütenständen.
Carl Ludwig Blume war ab 1822 Direktor des weltbekannten Botanischen Gartens Bogor in Java, und ab 1829 war er Direktor des Staatsherbariums in Leiden. 1825 begründete er die Gattung Dendrochilum in «Bijdragen S. 398». Dendrochilum gehören systematisch in die Unterfamilie der Epidendroidae und sind daher eingegliedert im Tribus Coelogynae, da sie mit den Gattungen Coelogyne und Pholidota verwandt sind.

Dendrochilum gedeihen in der Natur aufsitzend als Epiphyten im tropischen Regenwald oder sogar in Gebirgsregenwäldern der oben genannten Heimaten. Da sie zu den kleinblütigen Orchideen gehören, sind Dendrochilum Arten selten in Kultur. Dies ist schade, da gut kultivierte Pflanzen jedes Jahr viele Blütenstände mit hunderten kleinen Blüten zur Schau bringen.

Die Pflanzen entwickeln in der Natur auf den Ästen der Urwaldbäume gebüschelte Pseudobulben, die von kriechenden Rhizomen (waagrecht wachsende Sprosse) getragen werden. Rhizome und Pseudobulben werden von feinen Wurzeln auf der Rinde der Bäume befestigt. Jede Pseudobulbe trägt ein Laubblatt das meist steif, tief grün, länglich-lanzettlich ist. Seitlich am Grunde der Pseudobulbe entstehen grazile, schlanke, hängende, ährige oder traubige Blütenstände mit vielen kleinen Blüten.

Die Blüten bestehen aus drei einander ähnlichen, crème-gelblichen Sepalen, die seitlich mit dem Fuss der Säule verwachsen sind. Die zwei Petalen sind den Sepalen ähnlich, aber meist kleiner. Die kleine Lippe ist am Fuss der Säule angesetzt, aufrecht abstehend, länglich und am Grunde fleischig geschwollen. In der Mitte der Blüte finden wir die winzige, kurze Säule, die am Gipfel geflügelt und dort oder am Rande gezähnt ist. Am Ende der Säule finden wir unter der Pollinienkappe zwei Fächer mit vier eiförmigen, wachsartigen Pollinien. Darunter entdeckt man die winzig kleine, klebrige, ovale Narbe.

Da die Blüten leicht duften, werden sie in der Heimat von kleinen Insekten besucht, die es fertig bringen die Pollinien auf die Narbe abzustreifen. Nach der Bestäubung und der Befruchtung entstehen im unterständigen Fruchtknoten hunderte makroskopisch kleine Samen. Nach der Reife der Frucht werden die Samen durch Wind in die Natur verbreitet. Da die Samen kein Nährgewebe besitzen, brauchen sie zum Keimen einen spezifischen Mycorrhiza-Pilz, der dem Keimling die nötigen Nährstoffe zum Keimen liefert. Es dauert nach der Keimung einige Jahre bis eine neue blühende Pflanze heranwächst. Heute ist es möglich Samen von Orchideen ohne Mykorrhiza Pilze im Labor in-vitro zu vermehren, indem man ihnen eine spezifische Nährlösung vorbereitet.

Dedrochilum latifolium Lindl. kommt aus den Urwäldern der Philippinen. In der Orchideen Schutzsammlung im Botanischen Garten beim Spalentor werden die Dendrochilum Arten in einem warmen, luftfeuchten, hellen Gewächshaus gehalten. Nach der Blüte setzt der Neuzuwachs von Pseudobulben und Blättern ein, dann werden die Pflanzen reichlich mit lauwarmen Wasser gegossen. Nach der Vollentwicklung der Pseudobulben und den Blättern bekommen die Pflanzen nur noch wenig Wasser. Am Ende dieser relativen Trockenzeit blühen die Pflanzen wieder. Das Kultursubstrat besteht aus einem Rindengemisch mit Holzkohlenstücken, welches die schnelle Verrottung der Rinden verzögert. Als Gefässe können Töpfe oder Körbe verwendet werden.

Dendrochilum Blume – Dendrochilum
Familie: Orchidaceae – Orchideengewächse
Heimat: Südost-Asien, Indonesien, Philippinen, Neuguinea

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