Sportlerin des Monats Dezember 2008

(Foto: Alexandra Wey/Photopress)
«Laufen ist Leidenschaft»
Die Glarnerin Sabine Fischer (35) ist die aktuelle Schweizer Meisterin über 1500 Meter und zählt am Basler Stadtlauf vom 29. November zu den Favoritinnen.
SPATZ: Sabine Fischer, Sie arbeiten als Primarlehrerin. Rennen Ihre Schülerinnen und Schüler gerne?
Sabine Fischer: Ja, in diesem Alter schon. Da sind die Schüler sehr bewegungsfreudig. Jedes Kind bewegt sich gerne, wenn es den Anreiz bekommt und genügend Platz dafür vorhanden ist. Leider ist das bei vielen Kindern ausserhalb der Schule nicht der Fall, aus welchen Gründen auch immer. Für reines Joggen sind meine Schüler noch zu klein, das Laufen wird spielerisch in Bewegungsübungen verpackt.
Ist für Sie selbst das Laufen bloss Hobby oder doch mehr?
Es ist vor allem Leidenschaft. Lebensinhalt. Ich kann mir ein Leben ohne Laufen überhaupt nicht vorstellen. Ich bestreite mit ihm aber auch einen Teil meines Lebensunterhaltes. Mein Pensum als Primarlehrerin beträgt 62 Prozent, den Rest verdiene ich mit dem Laufsport.
Wie geht es Ihnen, wenn Sie nicht laufen können? Wenn Sie wie im Frühjahr wegen eines Kieferbruches nicht in der Lage sind zu trainieren?
Da hatte ich Glück. Ich war zwar nicht imstande, etwas zu essen und zu reden, aber wenigstens konnte ich mich bewegen (lacht). Schon bald nach der Operation konnte ich wieder mit dem Training auf dem Hometrainer und mit der Weste im Wasser beginnen. Meiner Psyche tat dies unheimlich gut. Sonst wäre die ganze Geschichte sehr mühsam geworden, vor allem für mein Umfeld. Denn wenn ich nicht laufen kann, dann bin ich genervt und viel launischer als sonst.
Früher haben Sie vor allem auf der Bahn geglänzt, heute brillieren Sie bei den Stadtläufen. Unter anderem haben Sie im vergangenen Jahr den Basler Stadtlauf gewonnen.
Das stimmt so nicht ganz. Meine Welt ist immer noch die Bahn. Nur interessieren sich die Medien heute kaum mehr für ein Meeting, wenn dieses nicht gerade Golden-League-Niveau hat. Bei mir kommt noch hinzu, dass die Bahnsaison dieses Jahr für mich durch den Kieferbruch sehr kurz war. Das heisst nicht, dass ich nicht gerne an Stadtläufen teilnehme. Im Gegenteil, diese sind für mich eine angenehme Zugabe. Zudem ist die Stimmung an den Stadtläufen viel besser als an den Meetings in den Stadien, wo oftmals nur gerade Verwandte und Bekannte vorbeischauen. Das gilt ganz besonders für den Basler Stadtlauf. Mir kommt es jedes Jahr vor, als seien noch mehr Zuschauer da als beim letzten Mal.
In Basel haben Sie 2007 gewonnen. Wie lässt sich dieses Resultat noch toppen?
Nur durch eine Wiederholung des Sieges. Aber einfach ist das nicht, das wird kein Spaziergang. Die Konkurrenz ist wie immer sehr, sehr stark.
Was gefällt Ihnen am Basler Stadtlauf besonders?
Natürlich die Weihnachtsbeleuchtung in der Freien Strasse. Die geniesse ich jedes Mal. Weniger gefällt mir, dass es in Basel am Stadtlauf fast immer kalt ist. Nur einmal war das Gegenteil der Fall: Da kam ich wie immer mit warmen Kleidern angereist, und dann war es plötzlich so warm, dass man kurzärmlige Leibchen anziehen konnte – wenn man denn welche dabei gehabt hätte.
Mit Ihrem Sieg am Basler Stadtlauf 2007 haben Sie auch internationale Topathletinnen bezwungen. Da stellt sich die Frage, ob Sie nicht auch wieder auf der Bahn nach Höherem streben?
Nächstes Jahr möchte ich es auf alle Fälle nochmals wissen und an der WM in Berlin teilnehmen. Und zwar über 5000 Meter. Noch kenne ich die exakte WM-Limite nicht, aber was ich gerüchteweise gehört habe, macht mir Mut. Das sollte machbar sein. Dieses Jahr schaffte ich es trotz meines Kieferbruches unter die Top 20 von Europa über 5000 Meter.










Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Artikel