Stroh zu Gold spinnen?

26. November 2008 von Claudia


Das Gute im Schlechten

Auf vieles im Leben können wir einen Anspruch geltend machen. Jedoch nicht darauf, dass immer alles glatt läuft und uns weder grosse noch kleinere Katastrophen und Ärgerlichkeiten ereilen können. Mehr oder weniger lernen wir damit umzugehen. Und dann gibt es Menschen, die aus all dem Unerfreulichen noch persönliche Bereicherungen ziehen. Wie machen die das?

Gerade in der Jahreszeit der kürzer werdenden Tage und mangelnden Lichtes können einem Misslichkeiten des Lebens noch mehr aufs Gemüt schlagen. Keine warme Sonne ist da, sie zu mildern. Kein kräftiges Sonnenlicht hilft, sie zu vertreiben. Der individuelle  Umgang mit Stressfaktoren ist ein Gebiet, mit dem sich auch die Forschung auseinandersetzt. So gibt es Skalen, auf denen Forscher dies mit einem Punktesystem festzuhalten versuchten. Tabellen über vielfältige, belastende Lebenssituationen wurden erstellt, und nach Befragungen konnte man sogar die Stärke der Belastung, wie sie im breiten Durchschnitt auftritt, in Punkten messen. So konnte ich es letzthin in einem Artikel lesen. Was ich jedoch weitaus interessanter finde, sind die Ausnahmen. Die Menschen, die sich nicht in dieser Punkteskala wiederfinden und anders mit Belastungen umzugehen wissen. Und genau dort möchte ich einmal genauer hinschauen. Wo würde ich mich denn wieder finden? Oder wo würden Sie sich wieder finden?

Sich selbst nun auf einer imaginären Skala einzustufen, dürfte schlecht gehen. Beim Gedanken darüber, wie das jetzt festzustellen wäre, kam ich auf eine Idee, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Das zurückliegende Jahr ist noch einigermassen überschaubar, und leicht lässt sich erinnern, welche Stolpersteine einem hier und da zu schaffen machten.

Als Ganzes gesehen kann es ein erfreuliches Jahr gewesen sein. Jedoch auch eines, dass mit mehr Heftigkeiten aufzuwarten wusste. Diese nun einmal einzeln betrachtet – picken Sie sich ruhig vier, fünf heraus, lässt sich schon besser überprüfen, ob und wie wir damit umgegangen sind oder gerade umgehen. Legen Sie ruhig einmal für jedes ein Konto mit Soll und Haben an.

Auf die Soll-Seite verbuchen Sie all den Ärger, die Unsicherheit, den Stress, den Zeitverlust und alles, was Sie mit dem Problem verbinden. Auf der Haben-Seite buchen Sie sozusagen das Gute im Schlechten. Ich habe es einmal ausprobiert und konnte Erstaunliches feststellen: meistens einen Gewinn. Als kleine Beispiele wären da zu nennen, dass etwas viel Mühe, Zeit und Energie gekostet hat. Dies steht natürlich auf der Soll-Seite. Auf der Haben-Seite hingegen kann ich verbuchen, dass es zeitlich begrenzt ist und meine nun noch beanspruchte Energie bald wieder freigesetzt sein wird. Hinzu kommt noch die Ahnung von Erleichterung, wenn «das mal wieder geschafft ist.»  Oder: Auf der Soll-Seite eine überaus unerfreuliche Entwicklung, Enttäuschung und erste Orientierungslosigkeit. Dagegen auf der Haben-Seite eine Menge Schöpfungskraft und Fantasie für einen guten Impuls und eine neue Denkweise.

Wer «Soll und Haben» verwechselt, der sollte «Soll» statt «Haben» haben.
Vera Hinselmann

Sich weniger zu konzentrieren auf das Unangenehme, Unerfreuliche und Ärgerliche, sondern sich seiner eigenen Lösungsfantasie hinzugeben und seinem Ideenreichtum zu vertrauen, ich glaube, darin liegt ein Schlüssel für ein bekömmlicheres Leben. Manchmal muss man schon ein Weilchen suchen und stöbern, bis es einem gelingt, in vielem auch die positive Seite zu erkennen. Und wenn sie sich gar nicht zeigen will, dann malen Sie sich eine aus. Ich wünsche Ihnen eine gute Bilanz und eine positive Gewinnrechnung.

Gute Erfahrungen sammeln
Es ist, wie Sie alle wissen, nicht damit getan einfach positiv zu denken, um auch Positives zu erleben. Das schon fast kulthafte «Think Positive» wirkt sich für viele Menschen fatal negativ aus. Wer das Positive im Leben sucht, muss auch das Negative als wichtige Kraft akzeptieren lernen.
Niemand mag negative Erfahrungen oder sucht diese bewusst. Der Schmerz einer Enttäuschung oder eines Verlustes tut weh. Leider lässt sich Negatives kaum vermeiden. Wie aus jedem Erlebnis unverkrampft auch ein guter Aspekt gefunden werden kann, zeigen folgende Beispiele:

  • Kritik. Kritik, besonders wenn sie zutrifft, ist unangenehm und oft schmerzhaft. Es ist unschön, wenn einem die eigenen, oft auch bekannten Fehler aufgetischt werden. Das Schlimmste ist, wenn man sich jetzt herausreden will oder gar rechtfertigt. Bestätigen Sie ruhig die Fehler und nehmen Sie die Kritik dankend an. So zeigen Sie Grösse und Besonnenheit, und nicht selten bestätigt man Ihnen dann auch gerne Ihre Stärken.
  • Anschuldigung. Eine Anschuldigung wiegt darum schwer, weil man wie am Pranger steht und seine Unschuld beweisen soll. Tun Sie genau das nicht: Niemand muss seine Unschuld beweisen! Beharren Sie darauf, dass man Ihnen die Fakten auf den Tisch legt, und zwar nur Ihnen, sowie dass man Ihnen genügend Zeit einräumt, diese zu entkräften. Gehen Sie nur auf die Fakten ein, die stimmen. Dafür dürfen Sie sich entschuldigen und begangene Fehler wieder gut machen.
  • Enttäuschung. Schlimm ist eine Enttäuschung, weil man sich selber getäuscht hat und am eigenen Urteilsvermögen zweifelt. Das ist auch gut so! Niemand kann alles gerecht und vorausschauend richtig beurteilen. Niemand ist vor Täuschung sicher. Dafür bringt jede aufgedeckte Täuschung einen Schatz an Erfahrung mit sich. Wie bei einem guten Training wird man dank jeder Enttäuschung sicherer und vernünftiger. Ausser man versucht diese Erfahrung in Zukunft zu vermeiden und wird verschlossen oder gar hämisch.

Nur wer sich im Leben aktiv bewegt, kann verletzt werden und muss schmerzhafte Erfahrungen in Kauf nehmen. Dass jeder negativen Erfahrung immer eine Zeit des Glücks und der Freude vorausgegangen ist und sicher wieder folgen wird, gehört zu den Mysterien des Lebens, welche uns das Leben als solches erst lebenswert machen.

Bewerten Sie diesen Artikel:
SchlechtUngenügendGutSehr gutExzellent (Keine Stimmen bisher)
Loading ... Loading ...

Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Artikel

(*) Pflichtfelder.