Vier Kängurubabys
Känguru-Beutel sind regelrechte Wundertüten. Mehrere Monate lang deutete nur ein heftiges Drehen und Winden darauf hin, dass mindestens vier der mütterlichen Bauchtaschen «bewohnt» sind.
Im Haus Australis im Zoo Basel tut sich etwas. In mindestens vier Känguru-Beuteln wird seit Wochen mit Pfoten geboxt und mit Füssen getreten. Es sind die Jungen von Ella (2), Dunja (3), Dingi (3) und Chupa (4), die sich sichtbar drehen und winden und das beeindruckende Dehnungsvermögen von Mutters Bauchtasche demonstrieren. Bereits am 21. Februar schaute das Junge von Ellas zum ersten Mal aus dem Beutel, und nach und nach wagten auch die anderen Jungen einen ersten Blick in die Umgebung. Das Junge von Dunja schaute am 27. Februar und jenes von Dingi am 4. März zum ersten Mal aus dem Beutel. Das Kängurujunge Nummer vier wird noch erwartet.
Im Zoo Basel wird bei den Kängurus als Geburtstag nicht die Geburt selber, sondern der Tag, an dem das Junge erstmals den Kopf aus dem Beutel streckt, notiert. Kängurubabys sind bei der Geburt so winzig, dass der eigentliche Geburtsvorgang meist unerkannt bleibt. Das nur zwei Zentimeter grosse und höchstens ein Gramm leichte, nackte Baby kommt nach einer kurzen Tragzeit von rund 30 Tagen zur Welt und klettert aus eigener Kraft am Fell der Mutter hoch in den Beutel. Dort saugt es sich für die nächsten Monate an einer Zitze fest. Erst nach rund sechseinhalb Monaten löst sich die enge Verbindung, und das Junge wagt den ersten Blick aus dem Beutel.
Der Vater aller Jungen ist Eddy (2), das einzige Männchen in der Gruppe. Westliche graue Riesen-Kängurus leben in Haremsgruppen und das Männchen verteidigt Revier und Weibchen gegen Eindringlinge. Neben Eddy besteht die Känguru-Gruppe im Zolli aus acht Weibchen und derzeit vier Jungen, die aber noch im Beutel leben. Es wird sich lohnen, die Entwicklung der Kleinen in den nächsten Monaten mitzuverfolgen. Wenn die ersten zaghaften Hüpfversuche über die Bühne gehen, zieht das interessante Schauspiel ganze Besucherscharen an.
Bei Seepferdchen ist alles anders
Bei den Seepferdchen schlüpft nicht ein Kind aus dem Beutel wie bei den Kängurus, sondern gleich hunderte. Und nicht das Weibchen trägt die Jungen im Brutbeutel aus, sondern das Männchen. Im Vivarium sind die australischen Topfbauch-Seepferdchen ein Besuchermagnet. Mit Glück können Besucherinnen und -Besucher im Zoo Basel frühmorgens sogar eine «Massengeburt» beobachten.
Die Zucht von Seepferdchen gelingt im Zoo Basel seit vielen Jahren regelmässig. Sie ist sehr aufwändig und verlangt viel Routine und eigene Zuchtanlagen hinter den Kulissen. Geburten erfolgen meistens frühmorgens oder in der Abenddämmerung, manchmal vor den Augen staunender Zolli-Besucherinnen und -Besucher. Im Moment sind mehrere Seepferdchenmänner «schwanger», und mit etwas Glück können in den nächsten Wochen wieder Dutzende Seepferdchenbabys beim Verlassen der Bauchtasche beobachtet werden.
Aristoteles (384-322 v. Chr.) schrieb vor 2300 Jahren: «Dieser Fisch bricht in der Laichzeit auseinander, und so schlüpfen die Eier; denn er hat eine Teilung unter dem Magen und Eingeweide wie die Schlangen». Zweitausend Jahre nach Aristoteles entdeckten Forscher, dass es die Männchen sind, die die Jungen bekommen.
Die Fortpflanzung der Seepferdchen ist «fischuntypisch». Die Weibchen produzieren die Eier, die Männchen «brüten» sie aus und gebären selbständig lebensfähige Junge. In langen Balzritualen, in denen sich die Partner spiralförmig umschwimmen, wählen die Weibchen ihre Männchen aus. Je grösser und aufgeblähter deren Bruttasche, desto begehrter sind die Seepferdmänner. Der männliche «Bauch-Beutel» ist verschliessbar und wird während der Balz auffällig präsentiert. Mit dem ballonartig aufgeblähten Bauch signalisieren sie den potentiellen Partnerinnen, wie viele Eier sie aufnehmen können; ein optisches Mass für die vermeintliche Qualität eines Vaters. Das Weibchen presst bis zu 400 Eier in die Bruttasche des Männchens. Dieser befruchtet die Eier sofort, und die Jungen entwickeln sich bis zum Schlupf in seiner Bauchtasche. Die Geburt erfolgt rund 25 Tage später in wehenartigen Schüben. Im Vivarium sind Topfbauch-Seepferdchen im Aquarium Nummer 45 zu sehen.











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