Typisch – untypisch

27. Mai 2009 von Claudia


Psychografie nach Friedmann
Die Vielseitigkeit von Menschen in ihrer Art ist ein Geschenk. Die Individualität der Persönlichkeiten macht unser Zusammenlebend erst spannend und interessant. Einer Typologisierung werden wohl viele mit Skepsis entgegentreten. Möchte man sich doch nicht einfach «in eine Schublade» stecken und auf einen Typen festl­egen lassen. Gerne stelle ich Ihnen heute ein Modell vor, von mir selbst auf Alltagstauglichkeit zur Genüge geprüft und mit dem Potential wunderbarer Entwicklungsmöglichkeiten.

Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Typologie (Psychografik) nach Friedmann konfrontiert wurde, von Handlungstypen, Beziehungstypen und Sachtypen hörte, verstand ich erst kaum etwas darüber. Weder konnte ich beurteilen, welchem Typen ich am ehesten entspreche, noch, was denn damit anzufangen sei. Es bedurfte einiger Zeit, in der ich mich immer wieder mit diesem Modell auseinandersetzte, bis es mir zunehmend klarer wurde. Und plötzlich verstand ich, verstand mich und verstand andere besser. Da dieses Modell meines Erachtens nach ein wunderbares Hilfsmittel ist, um im Umgang mit seinen Zeitgenossen einen verständlicheren und leichteren Umgang zu erlangen und seine eigenen Entwicklungspotentiale zu erkennen, möchte ich es Ihnen beschreiben.

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Dreizimmerwohnung, die Sie im Laufe Ihres Lebens mit Ihren Fähigkeiten bestückt haben. Im einen Raum sind all Ihre Qualitäten, die Sie zu einem tatkräftigen Handeln und schnellen Tatentscheidungen befähigen. Im zweiten Raum sind Ihre Einfühlungsgaben, die Sie zu einem ausgesprochen geselligen und umfassend freundlichen Menschen inmitten eines grossen Freundes- und Bekanntenkreises prägen. Ihr dritter Raum ist bestückt mit Sachlichkeit, die für Sie Sicherheit generiert und Entscheidungen erst nach gründlichem Abwägen und Zeit zulässt. Wenn für Sie diese drei Räume voll ausgestattet sind, herzlichen Glückwunsch.

Meist ist es jedoch so, dass ein sicherer Boden dort gefühlt wird, wo man sich am meisten «zuhause» fühlt. Daher wird ein handlungsgewohnter Mensch ungehalten reagieren, stösst er auf das Hindernis der zeitraubenden Abwägungen und Diskussionen. Ein abwägender, sachlicher Mensch kann es kaum ertragen, zu Taten angehalten zu werden und öffentlich aufzutreten. Wogegen ein «Beziehungsmensch» Mühe hat alleine etwas zu unternehmen oder Fakten zu akzeptieren. Wäre es nicht besser, wenn die anderen «Räume» einen nicht belasten, sondern ergänzend öffnen und so das Spektrum der eigenen Möglichkeiten erweitern?

Das Modell, von dem ich Ihnen berichte, gibt Ihnen die Chance zu erkennen, wo Ihr persönliches Entwickungspotential liegt. Sachliche Menschen, ins Handeln kommend, werden im Tun ihre Freude finden. Handlungsmenschen in ihrer steten Geschäftigkeit einmal innehaltend, werden im zugewandten Kontakt zu anderen Menschen erfahren, welch unbezahlbare Geschenke in Beziehungen zu finden sind und der sich zerreissende Beziehungsmensch kann im Alleinsein und Nachdenken klarer erkennen, was gut für ihn ist und wo er in seiner Hingabe an andere eventuell selbst zu kurz kommt. Das Modell kann helfen, sich und andere als Grundtypus zu erkennen, diese durch den richtigen Entwicklungsbereich in seinen Zielbereich zu leiten.

Ein wenig Übung braucht es allerdings, um zu erkennen, mit welchem Typus Sie es gerade zu tun haben. Doch erst einmal erkannt, gelingt es einfacher, diesen auch in seiner «typischen Sprache» anzusprechen. Das hilft Ihnen einerseits zu besserem und effizienterem Verständnis und bietet Ihren Gegenübern eine verständnisvollere Kommunikation. Sich selber und die Anderen in ihrem Sein und ihren Schwächen zu erkennen, hilft nicht nur im privaten Umfeld. Auch Ihre Geschäftskontakte werden kalkulierbarer. ﬑

Drei Typen
Gerne gebe ich Ihnen eine kurze Einführung in die Psychografik nach Friedmann. Anhand der Beispiele können Sie im Alltag mit Ihrer «Erkennungstour» beginnen.

  • Beziehungstyp: Kreativ und verspielt, mit vielen spontanen Ideen. Vielfältiges Interesse auf verschiedenen Gebieten und offen für Neues. Sie nehmen rasch Kontakt zu anderen auf und zeigen offen, wie es Ihnen geht. Sie begeistern gerne andere.
  • Sachtyp: Verständnisvoll und vorsichtig, mit dem Hang, Entscheidungen hinauszuschieben. Zeigen Sie Ausdauer, Geduld und Durchhaltekraft. Sie können sich gut konzentrieren (Fachgebiet) und sammeln liebend gerne. Sie sind haushalterisch mit Zeit und Geld.
  • Handlungstyp: Unternehmerisch denkend und handelnd. Sehr engagiert und zielgerichtet sowohl privat als auch beruflich. Bewegen sich und andere gerne. Sie können gut führen, motivieren und mitreissen. Misserfolge spornen Sie erst recht an.

«Go’s» und «No go’s» im Umgang:

  • Beziehungstyp: Nehmen Sie sich Zeit, zeigen Sie Interesse und kommunizieren Sie mit emotionaler Sprache. Ignorieren Sie die Dramatik. Bleiben Sie aktiv und halten Sie den Kontakt.

Lieblosigkeit und Unfreundlichkeiten werden tief empfunden. Zweifel an der Kompetenz oder der Intelligenz werden kaum verziehen. Sehen Sie nichtgehaltenen Versprechen nach.

  • Sachtyp: Zeigen Sie Aufmerksamkeit und Zuwendung. Achten Sie Titel, Erfolge und Fachwissen. Geben Sie Zeit für Entscheidungen. Laden Sie zu einem guten Essen oder Wellness ein.

Offene Kritik und Fehler werden persönlich empfunden. Überrumpeln oder überreden stossen auf Ablehnung. Risiken und Verantwortung werden ungern angenommen. Keinen Wert auf Äusseres legen.

  • Handlungstyp: Halten Sie Versprechen und Regeln ein. Kommunizieren Sie klar, deutlich und kurz. Übergeben Sie Verantwortung, Befugnisse und Handlungsraum. Achten Sie die Privatsphäre.

Blockaden und Verzögerungen werden aktiv
bekämpft. Position und Macht dürfen nicht
angezweifelt sowie Statussymbole nicht miss-achtet werden. Chaos und Passivität werden verachtet. ﬑

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Ein Kommentar zum Artikel “Typisch – untypisch”

  1. G. Madörin Says:

    Lieber Spatz
    neben den vielen und sensationellen Tipps aus dem Alltag und den hiesigen Gourmettempeln, freue ich mich besonders auf die Seite von Claudia. Ihre philosophisch frischen und geistreichen Beiträge sind jedesmal ein echter Aufsteller für die kommenden Wochen.

    Schade, dass mit dem jetzigen Thema Angst dieser positive Weg verlassen wird. Ariane Kroll schürt die Angst, die sie uns nehmen will, in ihrem Artikel geradezu. Praktische Lebenshilfe ist das nicht, eher die übliche Therapeutensprache: Von Oben herab und lehrerhaft.

    Ich wünsche mir wieder das einfühlsame und intelligente Niveau von Claudia zurück. Das hat mir und dem Spatz immer gut getan.

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