Sportlerin des Monats Februar 2010

«Die EM wäre ein schöner Abschluss»
Anfang Januar wurde Claudine Müller zur Basler Sportlerin des Jahres 2009 gewählt. So allmählich neigt sich die Siebenkampf-Karriere der 30-jährigen Athletin der Leichtathletik-Sektion Old Boys Basel dem Ende zu.
SPATZ: Claudine Müller, haben Sie damit gerechnet, dass Sie zur Basler Sportlerin des Jahres gewählt würden?
Claudine Müller: Nein, ich war schon sehr überrascht. An der Sportler-Gala an jenem Abend dachte ich jedoch, dass etwas nicht stimmt. Plötzlich war mein Bruder dabei, der sonst nie an solche Anlässe kommt. Noch merkwürdiger wurde es, als ich bei der Ehrung der Schweizer Meister nicht aufgerufen wurde. Doch dann dachte ich: Die haben mich halt vergessen. Ein paar Minuten später wusste ich, dass dies absichtlich geschehen war. Natürlich habe ich mich riesig darüber gefreut.
Was gabs für die Auszeichnung?
Ein Diplom, einen Blumenstrauss und nachher noch einen Apéro Riche in der Kleinen Joggelihalle.
Der Titel scheint Sie beflügelt zu haben: Sie haben danach den Hallen-Mehrkampf von Dornbirn gewonnen.
Es waren ja auch nur zwei Teilnehmerinnen am Start (lacht). Aber natürlich bin ich zufrieden. Für den ersten Wettkampf der Saison war das bereits sehr ansprechend.
Welches ist Ihre Lieblingsdisziplin im Siebenkampf?
100 Meter Hürden, Weitsprung, Hochsprung, Speerwurf – in dieser Reihenfolge.
Und was machen Sie am wenigsten gerne?
Den 800-Meter-Lauf.
Ist es nicht brutal, dass nach zwei langen Mehrkampf-Tagen ausgerechnet diese Disziplin den Wettkampf abschliesst?
Ich sehe das anders: Ich bin froh, dass die 800 Meter nicht schon am Anfang bewältigt werden müssen. Das wäre deprimierend, wenn ich den Siebenkampf jedes Mal mit einem Rückstand beginnen müsste – so schwach, wie ich in dieser Disziplin bin.
Können Sie nichts gegen Ihre Schwäche auf den 800 Metern unternehmen?
Viel ist da nicht zu machen. Von den Muskelfasern her bin ich eher in den schnellen Disziplinen bevorteilt. Würde ich nun meinen Aufwand für diese Laufstrecke erhöhen, dann hätte das vermutlich negative Auswirkungen auf meine übrigen Leistungen, bei denen eher die Schnellkraft gefragt ist.
Was haben Sie sich für die neue Saison vorgenommen?
Ich möchte mich im Sommer für die Europameisterschaften in Barcelona qualifizieren.
Wie wahrscheinlich ist es denn, dass Ihnen dies gelingt?
Ich bin auf alle Fälle zuversichtlich. Die Limite steht bei 5900 Punkten. In der letzten Saison schaffte ich 5879 Punkte. Sooo weit bin ich also nicht entfernt. Wichtig ist, dass ich nirgendwo einen Ausrutscher habe. Und dass ich im Weit- und Hochsprung auf gute Werte komme, denn dort sorgen schon ein paar wenige Zentimeter für den grossen Unterschied.
Die Qualifikation für die EM wäre sicherlich der Höhepunkt in Ihrer Karriere…
… und ein schöner Abschluss. In meinem Hinterkopf geistert schon herum, dass ich den Aufwand nach dieser Saison zurückschrauben werde. Ich kann mir dann noch Starts in Einzeldisziplinen vorstellen. Den hohen Aufwand für den Siebenkampf möchte ich sicher nicht ewig betreiben. Natürlich werde ich als Trainerin weitermachen. Bereits jetzt unterrichte ich im Nachwuchs der Old Boys eine Mehrkampfgruppe.
Dann können Sie es ja beurteilen: Wie beliebt ist die Leichtathletik bei den Jugendlichen?
Sie kommt vor allem bei den Kleinen gut an. Schwierig wird es später, wenn es für die Jugendlichen darum geht, Beruf und Sport miteinander zu verbinden. Oder wenn plötzlich eine Phase kommt, in der man stagniert. Dann hören leider viele auf. Das gilt es zu verhindern. Ich möchte den Jugendlichen zeigen, dass es auch Spass macht, wenn man nicht immer zu einer Topleistung fähig ist. Die Leichtathletik braucht eine breite Basis und nicht nur einige wenige Spitzenathleten.











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