Automobil-Trends 2010

Ohne Elektro- oder Hybridmodelle kein Top-Image!
Der Trend der letzten zwei Jahre setzt sich fort: Elektro- und Hybridfahrzeuge sind die neuen Stars am Automobilhimmel. Auch bei der ersten grossen Auto-Messe des Jahres, die traditionell im Januar in Detroit abgehalten wird. Und Autokonzerne, die etwas auf sich halten, prahlen eifrig mit bei den Vorstellungen ihrer Modelle mit alternativen Antriebskonzepten.
Dass ein positives und umweltfreundliches Image in den Marketingkampagnen der Autohersteller eine zentrale Rolle einnimmt, hat sich seit einigen Jahren etabliert. Der optimale Imageaufbau geschieht heutzutage nicht mehr über PS-Prahlerei und wuchtiges Design, sondern vielmehr über eine effiziente, weitsichtige Strategie. Und dazu gehört seit Ende der Neunziger die Umweltverträglichkeit, sprich der Umgang mit den Schadstoffen und die Entwicklung der alternativen Antriebskonzepte.
Weitsichtige Entwicklung
Wer sich im Markt als Sympathieträger und gleichzeitig als Entwickler in den Toppositionen etablieren möchte, kann sich über diese Schiene auszeichnen. Nachdem sich in den frühen Jahren dieses Jahrtausends die Entwicklung von Hybrid- und Elektromotoren als eine fürs Image förderliche Disziplin herausstellte, ist heute dieser Zweig vielleicht der wichtigste in der Imagepflege der Automobilkonzerne. Die Entwicklung von alternativen Antriebsmodellen verleiht eine ausgesprochene Kompetenz und demonstriert eine Weitsichtigkeit, die vom Endkonsumenten honoriert wird.
Die Modelle und Antriebsvarianten, das Design der Autos und die Ausstattung können verschieden sein. Aber ein Ziel haben alle gemeinsam: Der Verbrauch soll sinken, womit sich auch der durch individuelle Mobilität verursachte Kohlendioxid-Ausstoss verringert. Im Januar 2010 wurden denn auch einige Modelle vorgestellt, die in Zukunft für Furore sorgen werden und auf die wir nachfolgend eingehen wollen:
Bereits seit 1997 forscht Toyota an Fahrzeugen mit Brennstoffzelle. Der Prius ist zudem bereits eine «Legende». Die aktuellen Modelle basieren auf dem in Japan erhältlichen SUV Kluger. Die Bezeichnung FCHV für das neueste Hybrid-Modell steht für «Fuel Cell Hybrid Vehicle», das Kürzel «adv» für «advanced», also «fortgeschritten». Der Prototyp erreicht eine Leistung von 90 Kilowatt und ein Drehmoment von 260 Newtonmetern. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 155 km/h. In New York und Kalifornien startet Toyota jetzt ein Testprogramm mit mehr als 100 Brennstoffzellen-Hybridfahrzeugen. Die Autos werden dazu privaten Unternehmen, Universitäten und Regierungsbehörden zur Verfügung gestellt. Zusätzlich präsentiert Toyota im Detroiter Autosalon 2010 auch den neuen «FC-CH» und den «Prius Plug in Hybrid».
Auf der IAA 2009 überraschte Audi erstmals mit dem Elektro-Sportwagen e-tron. In Detroit zeigt Audi jetzt im Januar 2010 eine zweite, über 30 Zentimeter kürzere Variante. Zwei Elektromotoren mit zusammen 150 kW (204 PS) und 2650 Newtonmetern beschleunigen das Coupé mit Aluminium-Karosserie in nur 5,9 Sekunden von null auf 100 km/h. Der «e-tron» erinnert optisch an den RS 4. Er wird wohl 2014 als R3 in Serie gehen. Als Energiespeicher des e-tron II dienen Lithium-Ionen-Akkus, die hinter der Fahrgastzelle und vor der Hinterachse platziert sind. Nach maximal 250 Kilometern muss der e-tron II wieder an die Steckdose.
Voll- und Mildhybrid-Systeme
BMW zeigt indes in Detroit ein Voll- und ein so genanntes Mildhybridsystem. Ersteres kommt im ActiveHybrid X6 zum Einsatz. Der Antrieb kombiniert gleich zwei Elektromotoren mit dem 407 PS starken V8-Benziner des xDrive50i. Statt wie der Benziner 12,8 soll das Hybridmodell nur 9,9 Liter verbrauchen.
BMW präsentiert derzeit auch ein Elektroauto auf Basis des 1er Coupés. Der E-Motor der realitätsnahen Studie leistet 125 Kilowatt beziehungsweise 170 PS. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h soll in weniger als neun Sekunden passieren. Maximal sind elektronisch limitierte 45 km/h möglich. Seine Energie bezieht der viersitzige Concept ActiveE aus neu konzipierten Lithium-Ionen-Akkus. Ein Flüssigkeitskühlsystem erhöht die Lebensdauer der Stromspeicher.
Natürlich ist Honda, ein Pionier in Sachen alternative Antriebe, ebenfalls mit einem Topmodell in diesem Spezialbereich vertreten: Das Honda CR-Z Hybrid-Sportcoupé erinnert an den Kompakt-Sportler aus den 80er Jahren, den CRX. 124 PS und ein Drehmoment von 174 Newtonmetern bringen die Kombination aus Verbrennungsmotor und Elektroaggregat zustande. Gerade mal 117 Gramm Kohlendioxid sollen pro 100 Kilometer Fahrt ausgestossen werden. Der mit einem verstellbaren Fahrwerk ausgerüstete Wagen wird ab Mitte 2010 auch in Europa zur Verfügung stehen.
Auch Fiat lässt sich nicht lumpen und mischt kräftig mit im «Markt der Zukunft»: So wird in Detroit der aktuelle 500er mit Elektroantrieb vorgestellt. Fiat arbeitet inzwischen eng mit Chrysler zusammen. Das elektrische Antriebssystem des im Abarth-Outfit gehaltenen «e-Fiat» kommt von Chrysler. Erstaunlich: Rückbank und Kofferraum sind vollständig erhalten geblieben. Technische Details zum 500 electric wurden jedoch bislang nicht preisgegeben.
Und… Ja, die Chinesen kommen! BYD heisst der Autohersteller und diese drei Buchstaben stehen für «Build Your Dreams». Die chinesische Automarke zeigt in Detroit einen 4,55 Meter langen Kombi namens e6. Angetrieben wird der fünfsitzige e6 rein elektrisch, an jeder Achse verrichtet ein E-Motor seine Arbeit. Insgesamt ergibt sich so immerhin eine Leistung von stolzen 272 PS. Die Höchstgeschwindigkeit des Elektro-Chinesen beträgt etwa 140 km/h, seine Reichweite soll bei 330 Kilometern liegen.
Das Sparwunder!
Gemäss Experten soll der Fusion Hybrid von Ford ein Mittelklasse-Sparwunder sein. 5,7 Liter Durchschnittsverbrauch soll der 4,80 Meter lange Wagen in der Stadt hinlegen. Laut Ford schlägt damit der Fusion Hybrid den Toyota Camry Hybrid um 1,4 Liter pro hundert Kilometer. Für den Stadtverkehr verspricht Ford eine Reichweite von über 1100 Kilometern. Beim Fusion Hybrid wird ein 2,5-Liter-Benziner mit einem Elektroaggregat und einer Nickel-Metallhydrid-Batterie gekoppelt. Bis zu einer Geschwindigkeit von 76 km/h soll rein elektrisches Fahren möglich sein.
Mercedes glänzt ebenfalls mit zwei neuen Modellen: Das erste Vollhybridfahrzeug von Mercedes, der ML 450 Hybrid, ist eine M-Klasse mit Two-Mode-Hybridsystem. Ein 3,5-Liter-V6 mit 279 PS wird mit zwei Elektromotoren (62 und 60 Kilowatt) sowie Nickel-Metallhydrid-Akkus (2,4 kWh) kombiniert. Die Systemleistung gibt Mercedes mit 340 PS an, den Verbrauch mit 10,7 Litern pro 100 Kilometer. Vorerst soll der ML 450 Hybrid dem amerikanischen Markt vorbehalten bleiben.
Auch für die Mercedes S-Klasse gibt es mittlerweile ein Hybridmodell. Der S 400 Hybrid basiert auf dem S 350, hat aber neben dem V6-Benziner noch einen Elektromotor sowie Lithium-Ionen-Akkus an Bord. So sinkt der Verbrauch gegenüber dem S 350 von 10,1 auf 7,9 Liter.
Die Zukunftsstudien!
Cadillacs Studie XTS Platinum gibt einen Ausblick auf ein zukünftiges Spitzenmodell der GM-Marke. Eine Markteinführung wird für 2012 erwartet. Als Antrieb dient dem XTS Platinum Concept ein 3,6-Liter-V6. Der Otto-Direkteinspritzer wird mit einem Plug-in-Hybridsystem (PHEV) verbunden, das doppelt so viel Kraftstoff einsparen soll wie ein herkömmliches Hybridsystem. Die Systemleistung des Allrad-Gefährts liegt bei ungefähr 350 PS, als maximales Drehmoment werden 400 Newtonmeter angegeben.
Mit einem anderen Konzept drängt die Firma CT&T aus Südkorea auf den Markt und möchte mit kleinen Fahrzeugen mitmischen. Die Modelle nennen sich «e-Zone» und sollen in naher Zukunft auf dem nordamerikanischen Markt zur Verfügung stehen. Ob und – wenn ja – wann auch nach Europa geliefert wird, ist noch nicht bekannt. Standardmässig sind die Wagen mit Bleibatterien unterwegs, optional gibt es Lithium-Polymer-Akkus, mit denen dann bis zu 110 Kilometer Reichweite drin sein sollen. Als Sicherheitsfeature befindet sich nur ein Fahrer-Airbag im Wagen – und der kostet auch noch Aufpreis. Der e-Zone Tropic ist zudem auch als Polizeiauto vorgesehen.
Auch Mini Cooper mischt mit: Bevor der Elektro-Mini in Testflotten in Europa zum Einsatz kam, liefen bereits entsprechende Versuche in den USA. Mit beeindruckenden 204 PS spurtet der Mini e in 8,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Eine Batterieladung reicht für bis zu 240 Kilometer. Allerdings werden für das Akku-Pack die Rückbank und ein grosser Teil des Kofferraums geopfert.
Natürlich haben auch Nissan (Nissan Leaf), Subaru (Subaru Hybrid Tourer Concept) und Volvo mit dem C30 BEV sehr interessante Konzepte vorgestellt. Die Palette vergrössert sich jährlich. Bald hat man sie also – die Qual der Wahl.










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