Fackeln und Laternen am Morgestraich

2. März 2010 von Lukas Müller

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Fasnacht anno dazumal und Fasnacht heute – fast 180 Jahre trennen die beiden Begriffe. In der Zwischenzeit hat unsere Basler Fasnacht eine gewaltige Entwicklung vollzogen. Gut ablesbar ist dies beispielsweise bei der Beleuchtung am Morgestraich.

Was vielen Leuten nicht ­bekannt ist, ist der Umstand, dass die hiesigen Fasnachts­cliquen am Morgestraich anfänglich von Fackelträgern begleitet wurden. Der erste Basler Morgestraich fand 1833 statt und wurde von Samuel Bell organisiert. Mit seinen 100 bis 150 Gefährten, die als «die Bell’schen Spiessgesellen» bekannt waren, zog er damals durch Strassen und Gassen. Es wurde getrommelt, und schon damals wurde das ganze illuminiert, durch Pechfackeln.

Ab 1835 wurde der Morgestraich offiziell geduldet. Das bekannteste historische Bild vom Morgestraich stammt von Hieronymus Hess. Es ist auf 1843 datiert und zeigt einen dicken Tambourmajor, zwei Reihen von Tambouren im ­Charivari-Goschdym und einige Fanfarenbläser (sic!). Flankiert wird der Zug von zwei Fackelträgern. Fasnachtslaternen gab es damals noch keine. Anno 1845 hiess es dann allerdings: «Das Tragen offener Pechfackeln am Morgenstreich ist wegen Feuergefährlichkeit polizeilich ver­boten».

In veränderter Form präsentierte sich dann der Morgestraich anno 1850. Auf einer Darstellung der «Leipziger Illustrierten», die im Basler Staatsarchiv aufbewahrt wird, erkennt man jetzt zwei Hängelaternen, die von je zwei «Vordrääbler» getragen werden, dahinter zwei Tambourmajoren sowie einige Trommler und einen Pfeifer. Interessant sind die Figuren, die den Zug mit Rätschen begleiten und die die Aufgabe hatten, das Publikum zu necken. Begleitet wird dieser Zug von zwei Steckenlaternenträgern, wie wir sie heute noch kennen. Anfänglich kamen diese Lichtspender in den dunklen Gassen noch bestens zur Geltung. Aber nach der Einführung der elektrischen Strassenbeleuchtung drohte sich der fasnächtliche Licht-Zauber am Morgestraich allmählich zu verlieren. Das Fastnachtscomité (Fastnacht schrieb sich damals noch mit einem «t» in der Mitte) schrieb deshalb 1906 einen Brief an Herrn Regierungsrat Richard Zutt, mit der Bitte, man möge doch «künftig am Morgenstreich nur die Gasbeleuchtung functioniren lassen. Sie dürften umsomehr geneigt sein, unserem Wunsche zu entsprechen, als sich der Morgenstreich ja seit Jahrzehnten in geordneter Weise abspielt.»

Es dauerte bis 1848, ehe der Begriff «Fasnachtslaterne» in den Medien erstmals offiziell erwähnt wurde. In der «Schweizerische National Zeitung» vom 13. März 1848 finden wir dazu folgende Notiz: «Basel: Unser Fasching hat begonnen. Schon um 4 Uhr wirbelten die Trommeln den Morgenstreich durch alle Stadtviertel. Dieselben bunten Papierlaternen warfen ihre Schlagschatten auf die grotesken Schaaren von Jung und Alt. Am gelungensten war der Zug mit einer gutgezeichneten Laterne über die jüngsten Zeitereignisse der Schweiz: Sonderbund und neuenburgisches Preussentum lieferten die Hauptbilder.» Auf einem Morgestraich-Gemälde von 1856 von Samuel Baur entdecken wir bereits eine Vielzahl von Steckenlaternen, Trommlern und Pfeifern sowie eine mächtige Laterne, die bereits damals im Zentrum stand. Diese zeigte das damalige Fasnachtssujet in Form eines überdimensionierten Gegenstands.

Interessante Aufschlüsse über die damaligen Gepflogenheiten der Cliquen vermittelt auch ein Werk von Niclaus Strübin aus dem Jahre 1859. Hier sieht man, dass in diesen Zeiten nebst aktuellen Laternen auch Laternen aus verschiedenen zurückliegenden Jahrgängen mitgeführt wurden. In den 1870er Jahren trugen die Laternen bereits Sprüche und mussten künstlerischen Ansprüchen genügen. 1878 stand im «Schweizerischen Volksfreund» (wie die «National-Zeitung» damals hiess): «Das Gestell (der Laterne) macht ein Schlossermeister… Schon grösser werden die Schwierigkeiten bei der Wahl des ausführenden malenden Künstlers, denn die Transparente müssen gelungen ausfallen, sonst ist die ganze Geschichte verpfuscht. Kritisch wird aber oft die Lage, wenn sich mit dem besten Willen nirgends ein Dichter auftreiben lässt, der die entsprechenden Verse zu fabrizieren im Stande ist.»

Von damals bis heute hat eine Vielzahl von künstlerisch begabten Naturen – unter ihnen auch berufsmässige Kunstmaler – Laternen geschaffen, die für Furore gesorgt haben. Unter ihnen waren so berühmte Leute wie Ferdi Afflerbach, Charles Hindenlang, Jean Tinguely, Samuel Buri, Hans Weidmann, Peter Heitz, Kurt Pauletto und Domo Löw. Alljährlich organisiert das Fasnachtscomité eine Laternenausstellung. In den siebziger und achtziger Jahren war diese Lampen-Schau kostenpflichtig und ging in der Halle bei der Mustermesse vonstatten. Seit einigen Jahren wird sie nun auf dem Münsterplatz inszeniert – zum Nulltarif.

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