Geburt im Schnee
(Foto: Zoo Basel)
Dreifacher Nachwuchs bei den Rappenantilopen
Eine Schneegeburt sorgte am 12. Januar im Zoo Basel für Aufregung. Rappenantilope Chili (4) liess sich nicht mehr in den Stall locken und gebar bei eisigen Temperaturen auf der Aussenanlage. Bei den beiden Jungen vom 29. Dezember verlief die Geburt wie üblich im Haus.
Bei den Rappenantilopen im Zoo Basel hat es Nachwuchs gegeben. Alle drei Jungen sind Männchen. Zwei von ihnen sind am selben Tag, am 29. Dezember, im warmen Stall geboren. Beim am 12. Januar geborenen Jungen lief die Geburt etwas abenteuerlicher ab. Die Tierpfleger erkennen in der Regel die Zeichen einer nahenden Geburt und bringen die Mütter rechtzeitig nach drinnen. Bei den Jungen von Banja (5) und Ena (2) hat dies gut geklappt. Bei Chili (4) ging alles so schnell, dass ihr Junges im Schnee auf der Aussenanlage auf die Welt kam.
Am 12. Januar kurz vor Mittag hatte Chili sichtbare Wehen und fing an zu pressen. In den Stall locken liess sie sich nicht mehr. Der Tierpfleger streute eilig eine dicke Strohdecke im Unterstand, wo kurz darauf das Junge geboren wurde. Zum Glück schien über Mittag die Sonne und wärmte das Neugeborene trotz Schnee und Eiseskälte. Chili leckte ihr Kind trocken und nach 30 Minuten säugte es zum ersten Mal. Bevor die kalte Januarnacht anbrach, lockte der Tierpfleger die ganze Herde in den Stall und trug das Junge auf den Armen hinterher.
Am nächsten Tag gab es die erste Arztvisite: Die Tierärzte kontrollierten Herz, Lunge, Nabel, Maul und Geschlecht, implantierten einen Mikrochip und injizierten ein Vitamin E / Selen-Präparat zur Vorbeugung gegen die Weissmuskelkrankheit. Der Gesundheitszustand der Mutter war gut. Sie frass normal und die Nachgeburt war abgegangen. Ein Umstand, der bei Rappenantilopen gar nicht so einfach zu beobachten ist. Die Mutter frisst die Nachgeburt sofort auf und beseitigt so alle Spuren, die in der Natur Raubtiere anlocken könnten.
Rappenantilopenkinder sind sogenannte «Ablieger». Die Mutter sucht das Junge nur zweimal täglich zum Säugen auf, erst nach drei Wochen folgt es ihr und trinkt noch sechs bis acht Monate Muttermilch. Bei der Geburt wiegen Rappenantilopen 14 bis 18 Kilogramm. Der Zoo Basel züchtet Rappenantilopen sehr erfolgreich und zeigt eine schöne Herde. Im Moment zählt sie acht Tiere: vier Weibchen, die drei Jungen und ihr Vater Primus (11).
Neuer Okapi-Bulle soll für Nachwuchs sorgen
Die Freude war gross, als am 2. Dezember der neue Okapi-Bulle «Stomp» (6) aus dem Zoo Berlin im Zolli ankam. Schon der erste Eindruck nach dem Ausladen aus dem Transporter nach der strapaziösen Reise war vielversprechend. Das Prachtstier interessierte sich sofort für das angebotene frische Grünzeug und fügte sich ruhig und gelassen in die neue Umgebung des Antilopenhauses ein. «Stomp» wurde während seiner Reise von seinem zukünftigen Tierpfleger begleitet, der sich vorgängig bis ins Detail über dessen Charakter und die Haltung informiert hatte: Instruktionen zur Annäherung ans Tier wurden ebenso ausgetauscht wie Futterpläne und besondere Vorlieben.
Der Import eines Okapis aus dem Ausland ist an tierseuchenpolizeiliche Auflagen gekoppelt, und es muss eine amtliche Quarantäne durchgeführt werden. Während dieser Zeit müssen spezielle Hygienemassnahmen im Umgang mit dem Tier befolgt werden, und der Kontakt zu anderen Huftieren ist untersagt. Der Gesundheitszustand des neu eingestellten Tieres wird akribisch dokumentiert, und zusätzlich wird Blut auf bestimmte ansteckende Krankheitserreger untersucht. Erst beim Vorliegen negativer Resultate gibt die Behörde durch das Aufheben der Quarantäne das Tier frei, sodass es auch von den ZoobesucherInnen aus der Nähe bestaunt werden kann.
Zur Erleichterung der Zootierärzte wurden die benötigten Untersuchungen erheblich vereinfacht, da der Okapi-Bulle bereits «trainiert» war, das heisst der Tierpfleger konnte nach gutem Zureden das Tier sanft berühren und sein samtiges Fell streicheln. Nach dieser ersten Angewöhnung kam der Tierarzt hinzu. Problemlos konnte auch er «Stomp» an allen Körperteilen berühren, und sogar die Klauen konnten angehoben und genau inspiziert werden. Diese Vorbereitungen führten dazu, dass dem Tier zur Blutentnahme nur ein Beruhigungsmittel verabreicht werden musste und die Untersuchung, für ein Wildtier ungewöhnlich, am stehenden Tier durchgeführt werden konnte. Mittlerweile ist «Stomp» aus der Quarantäne entlassen, und das Interesse an seiner Artgenossin «Xina» ist vielversprechend. Der Zoo Basel hofft, damit den Grundstein für weitere regelmässige Nachzuchten gelegt zu haben.
Okapis sind wegen zunehmendem Lebensraumschwund bedroht. Weltweit leben nur rund 160 Tiere in Zoos, in Europa sind es 55. Der Zoo Basel unterstützt Forschungs- und Naturschutzprojekte zur Erhaltung der scheuen, einzelgängerischen Waldbewohner im Kongo finanziell.
Fischfressendes «Blatt» im Vivarium
Neu sind im Vivarium sensationelle Tarnkünstler, die südamerikanischen Blattfische zu sehen. Sie haben Form, Farbe und Musterung von verdorrten, im Wasser treibenden Laubblättern. Ein «Blattstiel» macht als kleiner Fortsatz des Unterkiefers die Täuschung perfekt. Blattfische «stehen» meist kopfüber im Schatten von Pflanzenblättern im Wasser und lauern auf vorbeischwimmende Beute, vor allem kleine Fische. Wie zufällig treiben sie im Zeitlupentempo auf ihr Ziel zu und saugen es dann blitzschnell ein. Dabei wird das Maul extrem vorgestülpt und auch grössere Brocken verschwinden im Schlund der Fische. Sie fressen ausschliesslich lebendes Futter. Um die Blattfische im Aquarium halten zu können, ist eine grosse und anhaltende Zucht von Futterfischen unabdingbar. Deshalb sind Blattfische kaum in anderen öffentlichen Aquarien zu sehen. Im Vivarium starteten die Vorbereitungen zur Haltung der Fische bereits vor mehr als einem Jahr.
Im selben Aquarium (Nr. 30) leben weitere Tarnkünstler: Die Nadelwelse ahmen perfekt feine Ästchen und Zweige nach, während sie die Wasserpflanzen von Algen befreien.











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