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Wanzen-Knabenkräuter

Orchideen: Anacamptis coriophora
In der Schweiz sind die Wanzen-Knabenkräuter sehr selten geworden.
Diese Orchideenart kommt vor allem in Magerwiesen in warmen Lagen, in sonnigen Hängen und manchmal sogar in etwas feuchten Wiesen vor. Sie gedeihen mit Vorliebe auf kalkhaltigen, lehmigen Böden, können aber durchaus auch auf leicht sauren Böden vorkommen.
Der deutsche und französische Name «Wanzen-Knabenkraut» und «Orchis punaise» bezieht sich auf die nach Wanzen riechenden Duftstoffe der Blüten der Pflanzen, die im nördlichen Teil des Areals vorkommen. Im südlichen Teil des Areals duften die Blüten hingegen angenehm süsslich und werden oft als Orchis coriophora ssp. fragrans bezeichnet.
Leider ist Anacamptis coriophora in der Schweiz, im Speziellen in der Region Basel und im geographischen Jura, in den letzten 25 Jahren verschwunden. In der Schweiz gibt es zurzeit nur noch kleine Bestände im Wallis, im oberen Rheintal und im Tessin. Wird es die seltene Art in den nächsten 20 Jahren in der Schweiz noch geben? Oder haben wir es mit einer vom Aussterben bedrohten Orchideenart zu tun? Die Gründe des Verschwindens dieser Art sind vielseitig und sollten dringendst untersucht werden. Haben sich die Biotope, in denen die Art vorkam, dermassen verändert? Fehlen die Bestäuber oder sind die Immissionen, welche Düng- und Schadstoffe in Naturschutzgebiete einbringen, Schuld am drastischen Rückgang des Wanzen-Knabenkrautes?
Die Gattung Anacamptis wurde vom französischen Botaniker L.C. Richard 1818 aufgestellt, und in den «Mémoires du Museum National d’Histoire Naturelle Paris» auf Seite 47 und 55 beschrieben. Bis vor einigen Jahren war Anacamptis eine monotypische Gattung, mit der A. pyramidalis (L.) L.C.Rich. als einziger Art. Linné hatte die Pflanze als Orchis coriophora in Species Plantarum auf Seite 940, 1753 beschrieben. R.M. Bateman, Pridgeon und M.W.Chase haben unlängst durch DNA-Analysen 14 Orchis-Arten zur Gattung Anacamptis überführt, unter anderem auch das Wanzen-Knabenkraut.
Im Winter bilden die Pflanzen linealisch-lanzettliche ungefleckte grüne Blätter, die am Grunde rosettenartig gehäuft sind. Im Frühjahr bildet sich im Zentrum der Blattrosette ein Blütenstand, der meist von zwei bis drei kleinen Blättern den Stängel umgeben. Der 10 bis 30 Zentimeter hohe traubig-zylindrische Blütenstand trägt 20 bis 40 kleine, zierliche Blüten. Jede Blüte ist mit einer grünlichen Braktee versehen, welche den Fruchtknoten abdeckt.
Die Blüte besteht aus drei meistens rotbraunen Sepalen und zwei Petalen, welche helmartig die Säule schützen. Die dreiteilige, oft braunrote Lippe ist mit dem kegelförmigen Sporn an der Basis verwachsen. Die basale Lippenpartie ist papillös behaart, heller gefärbt und mit roten Punkten oder Flecken versehen. Die dreiteilige Vorderlippe ist meist rotbraun gefärbt. In manchen Biotopen gibt es Pflanzen, die bis zu crème-grüne Blüten tragen. Im Zentrum der Blüte finden wir die Säule mit zwei Pollinien und der Narbe. Die Wanzen-Knabenkräuter gehören zu den Nektarblumen. Sie locken ihre Bestäuber, oft Sandbienen, mit Duft, Farbe und Form an und verköstigen ihre Gäste mit Nektar.
Nach der Bestäubung und der Befruchtung entstehen im unterständigen Fruchtknoten viele winzige Samen. Rund 40 Tage nach der Befruchtung werden die grünen Samenkapseln allmählich braun und reissen an den drei dafür vorgesehenen Nähten auf. Die Samen werden durch Wind in die nahe oder weitere Natur verbreitet. Wo sie ankommen, können sie nur mit einem spezifischen Mykorrhiza-Pilz keimen, da der Samen kein Nährgewebe besitzt.
Anacamptis coriophora (L) R. M. Bateman – Wanzen-Knabenkraut
Familie: Orchidaceae – Orchideengewächse
Heimat: Süd-, Mitteleuropa, Russland, Kaukasus, Kleinasien, Iran, Syrien, Nordafrika.










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